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Ratgeber Finanzen 7 – 2024

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Was man aus dem Fall Signa resp. Benko lernen kann
Die Insolvenz der riesigen Immobiliengesellschaft Signa ist fast täglich in den Medien. Das Konstrukt ist extrem kompliziert und verschachtelt aufgesetzt und der entstandene Schaden kann aktuell noch nicht wirklich abgeschätzt werden. Er wird aber wahrscheinlich in die Milliarden gehen. Immobilien gelten im Volksmund als Betongold und als sehr sicher. Wie kann man damit so viel Geld verlieren, wenn man dann auch noch fast nur Immobilien an den allerbesten Lagen in den florierenden Grossstädten hat? Für mich gibt es zwei Hauptgründe: Als Erstes der Preis, für welchen man diese Objekte gekauft hat. Es ist einfach nicht realistisch, in den letzten zehn Jahren ein solches Immobilienportfeuille an den besten Lagen zu vernünftigen oder sogar Schnäppchenpreisen aufgebaut zu haben. Im Minimum Teile davon wurden klar überzahlt. Ja, Qualität hat seinen Preis, aber (fast immer) nicht «jeden» Preis. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn ein grosser Teil mit Eigenkapital finanziert würde. Sobald man aber sehr viel Fremdkapital einsetzt und dann dummerweise auch noch die Kreditzinsen massiv ansteigen, bekommt man ein ernsthaftes Problem. Sobald dies die Kreditgeber merken, kann es richtig mühsam werden. Da gibt es in der Vergangenheit zahlreiche Beispiele. Aber selbst sehr erfahrene Topgeschäftsleute unterliegen immer wieder der Gier oder dem Grössenwahn. Es ist sicher nicht alles wertlos und es gibt ausser für einige Aktionäre kaum einen Totalverlust. Die Sache wird uns aber noch länger beschäftigen und die ersten Köpfe sind bereits gerollt.
Falle Reparaturen oder Ersatzteile
Leider gibt es nicht nur Missstände mit Gebühren oder Kosten im Finanzbereich oder im Umgang mit Staatsdienstleistungen. Leider stelle ich das immer mehr bei Reparaturen und Ersatzteilen fest. Oft wird eine zeitlich Not dazu ausgenutzt, teilweise völlig überhöhte Preise in Rechnung zu stellen. Da kann eine kleine Reparatur plötzlich zur Kostenfalle werden.
Neben horrenden Stundenansätzen kommen Fallzuschläge, Wegpauschalen, Entsorgungsgebühren, Kleinteilzuschläge usw. usw. dazu. Auch die Preise von Ersatzteilen sind dann ein Bruttopreis, welcher sonst kaum jemand auf dieser Welt bezahlt. Das liegt meist nicht am Monteur, welcher die Sache vor Ort repariert und nur einen Bruchteil selber als Lohn bezieht. Persönlich ziehe ich meine Konsequenzen. Wer vernünftig und fair agiert, bekommt Folgeaufträge. Den Rest lasse ich weg oder verlange immer eine Offerte.

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Ratgeber Finanz 4– 2024

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

13. AHV-Rente
Anfang März werden wir über die Initiative für eine 13. AHV-Rente abstimmen können. Was sind die Beweggründe und die finanziellen Eckdaten dahinter?
Alles wird teurer
Strom wird teurer. Die Krankenkasse wird teurer. Die Hypothekarzinsen werden teurer. Die Miete wird teurer. Die Mehrwertsteuer wird teurer. Wer vorher schon knapp bei Kasse war, hat wirklich hart zu kämpfen. Diese Menschen sollen unterstützt werden.
Giesskanne statt Präzision
Alle derzeitigen und künftigen AHV-Rentner sollen jedes Jahr eine 13. Monatsrente erhalten. Dies entspricht einer Erhöhung der Jahresrente um 8,3 Prozent. Diese Erhöhung kommt nicht nur den oben genannten finanziell schlecht Gestellten zu Gute, sondern allen Rentnern.
Hier kommen nun erste Risse in die Argumente der Initianten. Ja, es gibt nach wie vor Altersarmut und diese wird angesichts obgenannter Preiserhöhungen akuter. Aber nein, es betrifft nur eine relativ geringe Anzahl Rentner.
Senioren sind am reichsten
Als Gesamtgruppe – ja, ich weiss, dass ein 1,80 Meter grosser Mensch in einem durchschnittlich 1,5 Meter tiefen Fluss ertrinken kann – sind die Rentner die reichsten. Und das für mich Erstaunliche: Gemäss einer Studie von Philippe Wanner (Professor für Demografie und Sozioökonomie an der Universität Genf) aus dem Jahr 2022 müssen Rentner trotz Ruhestand ihre Reserven nicht anzapfen. Ihre Ersparnisse wachsen im Schnitt sogar leicht an.
Geschätzte Mehrkosten liegen bei etwa 5 Mia Franken pro Jahr
Nicht nur von Altersarmut Betroffene, sondern auch Millionäre bekämen also eine 13. AHV-Rente. Dieses Giesskannenprinzip führt zu extrem hohen Mehrkosten von etwa 5 Milliarden Franken pro Jahr.
Umverteilung von arm zu reich...
Die Initiative macht bequemerweise keine Angaben dazu, wie diese Mehrkosten finanziert werden sollen. Es müsste wohl über eine Kombination von (erneut) höherer Mehrwertsteuer, höheren Lohnabzügen und der allgemeinen Staatskasse erfolgen. Mit anderen Worten zahlt die weniger reiche Allgemeinheit ein, profitieren tut aber die insgesamt reichste Altersgruppe.
Die 13. AHV Rente hat für mich deshalb nichts mit sozial zu tun. Für die Bekämpfung von Altersarmut müssen schärfere und präzisere Massnahmen ergriffen werden (wie z.B. Ergänzungsleistungen, Sozialhilfe).
...und von jung zu alt
Insbesondere bei einer Erhöhung der Lohnabzüge würde die produktive Arbeitstätigkeit verteuert. Dies verschlechtert die Konkurrenzfähigkeit vom Standort Schweiz und es fände eine Umverteilung von jüngeren Arbeitstätigen zu älteren Pensionierten statt.
Finanzierung der AHV sollte nicht weiter destabilisiert werden
Die Finanzlage der AHV ist zudem bekanntermassen nicht rosig. Gemäss den jüngsten Rechnungen des Bundes rutscht die AHV – noch ohne eine 13. AHV-Rente – um etwa 2031 in die roten Zahlen. Eine 13. AHV Rente würde die bereits wacklige Finanzierung der AHV weiter destabilisieren.

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Ratgeber Finanzen 1 – 2024

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Meine Finanz-Neujahrswünsche
Träumen darf man ja, weshalb ich mir erlaube, meine Wünsche an die Wirtschaft, Verwaltung und an die Politik zu äussern.
Der Kunde ist wieder der König!
Eigentlich sollte das völlig normal sein, ist es aber oft nicht. Oft wird vergessen, woher das Geld für den eigenen Lohn herkommt und Kunden werden «schnodderig» behandelt oder sogar nur zur Ertragsauspressung missbraucht. Das gilt nicht nur für die
Privatwirtschaft, sondern auch
für Staatsdienstleistungen. Weniger Hochglanz, weniger Bürokratie, dafür mehr Dienstleistung, Service und vernünftige Konditionen, das wäre doch wieder schön und erstrebenswert. Dazu gehört auch, dass bestehende Kunden mindestens so gut behandelt werden wie potenzielle Neukunden. Es kann doch einfach nicht sein, dass loyale, langjährige Kunden schlechtere Konditionen erhalten als mögliche Neukunden.
Der Spesendschungel wird reduziert oder abgeschafft
Auch das ist ein ausuferndes Thema und es ist zur Unsitte geworden, dass jeder Bleistiftstrich in Rechnung gestellt wird. Für alles Gebühren, wenn ich von der Gemeinde oder dem Kanton etwas brauche (für was zahle ich überhaupt schon Steuern?). Auch bei den Banken ist das nicht viel besser. Da wollte eine Bank noch Gebühren, nur um die bestehende Hypothek zu verlängern…. Ich bin auch für das Verursacherprinzip, dann muss aber der Grundtarif günstig sein. Hohe Preise, dann aber nochmals jede Tätigkeit separat in Rechnung stellen, das ist einfach frech.
Devisentransaktionen zu vernünftigen Konditionen
Diesen Bereich kritisiere ich schon lange. Der Markt ist heute grösstenteils automatisiert und würde sehr enge Margen zulassen. Die Effizienzgewinne werden aber kaum an den Kunden weitergegeben. Das ist bei Wertschriftentransaktionen doppelt stossend. Da werden Courtagen verrechnet und dann auch nochmals bei der Devisentransaktion richtig «zugelangt».
Politiker müssen einen Volkswirtschaftsgrundkurs besuchen
Vielen Politikern fehlt das nötige volkswirtschaftliche Grundwissen. Wer über Milliardenausgaben mitentscheiden muss oder darf, sollte mindestens eine Grundahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen haben. Wenn man in den USA trotz Vollbeschäftigung und wirtschaftlichem Boom ein Budgetdefizit von rund 7 Prozent durchwinkt, hat man einfach keine Ahnung, woher Geld und Wohlstand kommen. «Wo wollen wir Schwerpunkte setzen und was können wir uns leisten?», das sollten wieder vermehrt die Fragen sein, anstelle zu Lasten von ausufernden Schulden den Rucksack immer mit noch mehr wertlosen Steinen und Problemen zu füllen.
Ich bin überzeugt, dass längerfristig weniger mehr ist. Das ist aus meiner Sicht kein alter Zopf! Nachhaltige Finanzen gehören zum Grundgerüst von anhaltendem Wohlstand. Wir sind auf bestem Weg, diesen mit ausufernder Bürokratie, Plan- und Schuldenwirtschaft selber zu vernichten.

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Ratgeber Finanz 51– 2023

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Beeindruckende Aktienrally seit Ende Oktober
Die Aktienindices haben sich im 2023 stark entwickelt: Der S&P500 hat seit Ende Jahr fast 23 % zugelegt (Stand per Mittwoch, 13.12.), der DAX mehr als 20 %, der SMI hinkt etwas nach mit +4.3 %. Noch imposanter ist die Entwicklung der letzten eineinhalb Monate. Seit den zwischenzeitlichen Tiefstständen am 27. Oktober hat der SMI 9 % zugelegt, sowohl Dax wie auch S&P500 sind in diesen nur 33 Handelstagen gar um mehr als 14 % gestiegen!

Markt erwartet massive Zinssenkungen der Zentralbanken
Wie erklären sich die starken Anstiege? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil die Bewertungen gerade beim US-Aktienmarkt doch enorm hoch sind. Auch die wirtschaftliche Entwicklung dreht eher nicht nach oben, diverse Akteure erwarten eine Rezession. Die plausibelste Erklärung ist bei den Zinserwartungen zu finden. Der Markt erwartet derzeit für 2024 deutliche Zinssenkungen der Zentralbanken: die FED wird gemäss Markterwartungen den Zins um 1,1 % senken, die EZB gar um 1,3 %. Bei der SNB geht der Markt von einer Zinssenkung um 0,6 % aus.

Inflation ist gesunken, aber weiterhin doppelt so hoch wie Ziel
Warum geht der Markt von so starken Zinssenkungen aus? Die Inflation ist vielerorts deutlich gesunken. Investoren scheinen den Kampf gegen die Inflation als gewonnen und beendet zu betrachten. Wirtschaftshistoriker, die einen etwas längeren Zeithorizont betrachten, sind dagegen meist skeptischer. In der Vergangenheit hat sich Inflation als «zähes Biest» gezeigt, zudem liegt die wichtige Kern-Inflation in den USA noch immer bei 4 %, was doppelt so hoch ist wie angestrebt. Auch der IMF hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, in der er vor zu früher Siegessicherheit warnte. Im September-Ratgeber bin ich auf diese Studie eingegangen, Sie finden die Ratgeber-Artikel jeweils auch auf unserer Homepage.

Die Markterwartungen sind genau das: Erwartungen
Vor einem Jahr lagen die Markterwartungen für die FED-Zinsen bei einer Erhöhung um 0,66 %, effektiv hat die FED ihren Zins aber mit 1,5 % massiv stärker erhöht. Ein analoges Bild für die EZB (erwartet +1,41 %, effektiv erhöht um +2,5 %) und auch die SNB (erwartet +0,86 %, effektiv erhöht um +1,25 %). Zwei Aussagen dazu: Der Markt lag somit mit seinen Erwartungen vor einem Jahr deutlich daneben. Das muss nicht heissen, dass er dieses Jahr erneut danebenliegt, möglich ist es aber. Zweitens erwartet der Markt mehr oder weniger, dass die Zentralbanken zurück zu den Markterwartungen vor einem Jahr gehen. Selbst wenn dies eintreffen würde, wären in der Zwischenzeit die effektiven Zinsen deutlich höher gewesen, als der Markt erwartet hat. Das spricht nicht unbedingt dafür, dass der Aktienmarkt so viel höher stehen sollte als Anfang Jahr.

Der Aktienmarkt ist derzeit sehr heterogen
Fairerweise muss man darauf hinweisen, dass der Aktienmarkt derzeit sehr heterogen ist und der Index dadurch etwas verzerrt wird. Es ist keineswegs eine grosse Mehrheit der Titel, die so stark gestiegen sind. Es sind vor allem wenige grosse Techtitel (Stichwort «magnificent seven»), die stark zugelegt haben. Der grosse Rest liegt im Schnitt vergleichsweise wenig im Plus, und auch viele Titel haben dieses Jahr recht deutlich verloren. Breit diversifizierte Fonds haben denn meist auch deutlich weniger verdient als die Indices vermuten liessen. Die breit diversifizierten Portfoliofonds der UBS liegen bei einem Plus seit Anfang Jahr von zirka 2 % (konservative Strategie) bzw. 3 % (ausgewogene Strategie).
Das sind für dieses Jahr für Schweizer Investoren die plausibleren Vergleichswerte.»

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Ratgeber Finanzen 48 – 2023

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Immobilienmarkt wird ruhiger
Nach den Boomjahren auf dem Immobilienmarkt hat sich der Markt im Fricktal in den letzten Monaten stark beruhigt und verlangsamt. Ein leicht grösseres Angebot trifft auf eine etwas kleinere und oft kritischere Nachfrage. Selbst sehr gute Liegenschaften gehen kaum mehr wie «warme Weggli». Das Segment der Renditeliegenschaft hat in diesem Jahr grössere Preiskorrekturen erfahren. Das Eigenheimsegment ist stabil oder leicht rückläufig. Übertreibungen nach oben gibt es kaum mehr.
Wie geht es weiter? Ich vermute, dass weder ein grosser Einbruch noch eine Rückkehr zum Boom vor der Türe stehen. Einerseits wächst die Bevölkerung weiterhin, was die Nachfrage unterstützt. Anderseits haben die höheren Zinsen und das gestiegene Preisniveau die Nachfrage eingeschränkt. Somit ist aus meiner Sicht eine leicht rückläufige Tendenz oder Treten an Ort am realistischsten. Einzig bei stark steigenden Zinsen oder einer Rezession sind grössere Korrekturen zu erwarten.

Wer nicht liefert oder den Ausblick reduziert, wird abgestraft
Auch beim Aktienmarkt ist der ganz breitabgestützte Aktienboom vorbei. Wenn eine Firma die erwarteten Kennzahlen nicht übertrifft oder den Ausblick zurücknehmen muss, kommt oft eine gröbere Kurskorrektur. Nur im Hightech-Bereich rund um künstliche Intelligenz ist aktuell noch viel (zu viel?!) Fantasie vorhanden. Einmal glaube ich hier einen übertriebenen Herdentrieb zu beobachten. Die Chance eines grösseren Katers ist aus meiner Sicht gross. Solche Boomphasen gehen aber oft länger, als man denkt und für realistisch hält. Wenn ich etwas in den letzten rund 35 Jahren Anlageerfahrung gelernt habe, dann, dass sich übertriebene Euphorie, aber auch übertriebene Angst oder Panik kaum auszahlen. Längerfristig positive Punkte haben eine vernünftige Diversifikation, eine vernünftige Kostenstruktur, keine teure oder intrasparente Produkte und immer genügend Liquidität, damit man nie Notverkäufe machen muss.

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Ratgeber Finanz 45 – 2023

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Wie gross ist die «neue» UBS?
Es gibt verschiedene Massstäbe, wie man die «Grösse» einer Firma messen kann. Nach Einverleibung der Credit Suisse hat die UBS gut 120 000 Mitarbeiter weltweit. Der grösste europäische Konkurrent diesbezüglich ist die HSBC mit knapp 220 000 Mitarbeitern. Ebenfalls etwa 220‘000 Mitarbeiter hat die grösste amerikanische Bank JP Morgan.
Die Bilanzsumme der «neuen» UBS dürfte gut 1700 Mia USD betragen. Bei der HSBC sprechen wir hier von über 2500 Mia und bei JPM von etwas weniger als 4000 Mia. Interessant hier: JPM ist nur auf Platz fünf gemäss der Bilanzsumme, die grössten vier Banken weltweit nach Bilanzsumme kommen aus China.
Bei der Marktkapitalisierung ist die neue UBS geradezu klein. JPM bringt es auf enorme 400 Mia USD, HSBC auf gut 140 Mia und die UBS auf ca. 75 Mia USD.

Too small to survive
Die UBS ist also wesentlich kleiner als die grösste europäische Bank und diese wiederum kleiner als die grösste US Bank. Ist es also ein Vorteil, dass dank der Übernahme der CS die UBS den Abstand zu den grössten Banken reduzieren konnte?
UBS-CEO Sergio Ermotti scheint dieser Meinung zu sein. Er hat am 29. März 2023 Folgendes gesagt: «Die Debatte ist nicht ‹too big to fail›. Sie dreht sich vielmehr um ‹too small to survive›.» Obige Vergleichszahlen stützen diese firmenspezifische Sicht. Die UBS ist weltweit gesehen kein Gigant.

Too big to fail (TBTF)
Die volkswirtschaftliche und politische Sicht ist aber diametral anders. Wir haben im vergangenen März gesehen, dass Banken ab einer gewissen Grösse als systemrelevant angesehen werden und der Staat sich gezwungen fühlt, deren Untergang mit allen Mitteln zu verhindern. Um dem Gegensteuer zu geben, wurden im Nachgang zur Finanzkrise eigentlich TBTF-Gesetze erlassen. Das Ziel: Der Staat soll nicht mehr als Retter für Managementfehler hinstehen müssen und Steuergelder in gigantischem Umfang riskieren.

Notrecht statt TBTF
Die TBTF-Gesetze konnten ihren Nachweis, wie potent sie sind, leider nicht zeigen. Der Bundesrat ist einer Anwendung dieser Gesetze im vergangenen März mit der Anrufung von Notrecht zuvorgekommen. Er sah sich – vermutlich aufgrund enormen Drucks aus dem Ausland – gezwungen, den Zusammenbruch der systemrelevanten CS mit Notrecht zu verhindern. Immerhin und zu Recht hat er auf die enormen Risiken hingewiesen, die diese Rettungsaktion für die Schweiz haben könne. Nur: Wenn bereits die Rettung der Credit Suisse potenziell desaströse Auswirkungen für die Schweiz haben könnte, wie sieht das dann erst aus, wenn und falls die mehr als doppelt so grosse UBS gerettet werden müsste?

Schlussfolgerungen
TBTF-Gesetze, die nur «pour la galérie» und auf dem Papier stehen, aber im Ernstfall nicht angewendet werden, nützen nichts. Entweder werden diese so angepasst, dass sie in einem allfällig künftigen UBS-Rettungsfall auch unter Druck des Auslands angewandt werden und auch funktionieren oder dann riskiert die Schweiz ihre gesamte Volkswirtschaft und den starken Schweizer Franken. Denn es ist klar, die Grösse eines Staates limitiert auch die Grösse einer allfälligen Rettungsaktion. Zum Vergleich: Die Wirtschaftsleistung der gesamten Schweizer Wirtschaft betrug 2022 808 Mia USD, also nicht einmal die Hälfte der Bilanzsumme der UBS. Die Grösse der UBS ist ein latentes Problem für die Schweiz. Die Schweizer Politik sollte sich diesem Problem annehmen.

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Ratgeber Finanzen 42 – 2023

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Sandoz – ein neuer, alter Name am Börsenhimmel

Grösser und noch grösser, das war lange das Motto, nicht nur im Pharmabereich. Natürlich bringt eine vernünftige Grösse einige gewichtige Vorteile. Oft steigt aber auch die Bürokratie überproportional und es sind Sachen zusammen, welche kaum oder gar keine Synergien untereinander haben. Heute findet teilweise ein Umdenken statt. Man merkt, dass gewisse Unternehmensteile nicht mehr dazu passen oder eine völlig andere Dynamik haben. Es ist weniger Diversifikation gefragt, mehr Konzentration auf das Kerngebiet und/oder auch das Freilegen von Potenzial. Es wird versucht, schlummernde Werte zu Kapital zu machen. Oft gedeihen diese abgetrennten Sparten unter eigener, weniger einengender Regie besser. Schlussendlich ist es eine Win-Win-Situation. Aktuelles Beispiel: Der Pharmariese Novartis hat vor zwei Wochen seine Generika-Sparte («Nachahmer-Produkte») unter dem Markennamen Sandoz abgespalten und separat an die Börse gebracht. Für fünf Novartis-Aktien hat der Aktionär 1 Sandoz-Aktie bekommen. Man kann nun selber entscheiden, ob man in den Pharma- oder Generikateil investieren will. Bereits viel früher wurden die Agrochemie mit Syngenta und später der Augenheilbereich Alcon abgetrennt. Wichtig scheint, dass die abzutrennende Firma wirklich alleine überlebensfähig ist und nicht mit Schulden vollgepumpt wurde. Das scheint bei Sandoz beides der Fall zu sein. Die Generikasparte birgt überschaubare Risiken bei einem limitierten Gewinnpotential. Aus meiner Sicht habe ich lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Wenn das Management nicht übermütig wird, könnte sich Sandoz zu einem sehr soliden Wert entwickeln. Die Branche hat sicher Zukunft und ich werde Sandoz weiter beobachten.
Santhera scheint Zulassung zu bekommen
Das kleine Biotechunternehmen aus Pratteln hat viele Enttäuschungen und eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Nun scheint man für das Muskelschwund reduzierende Mittel Vamorolone eine Zulassung in Europe zu erhalten. Das wäre ein wichtiger Durchbruch. Wenn es dem Management gelingt, sich vom fast reinen Forschungsunternehmen zum Verkaufsbetrieb weiterzuentwickeln und rasch Einnahmen zu generieren, könnte die Aktie noch einiges Potential haben. Nach den vielen Enttäuschungen der Vergangenheit scheinen viele Anleger aber noch vorsichtig zu sein, was es aber gerade interessant macht.

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Ratgeber Finanz 40 – 2023

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
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«Der Kampf gegen die Inflation ist noch nicht vorbei»
Dies sagte Nationalbankpräsident Thomas Jordan nach dem Zinsentscheid vor gut einer Woche. Und diese Aussage trifft auch auf andere Länder bzw. Währungsregionen zu wie US-Dollar, Euro, Britisches Pfund. Die Kerninflation ist allenthalben zäh und noch weit über dem eigentlichen Inflationsziel der Zentralbanken. Zum einen sind da die Staaten mit ihrer Fiskalpolitik gefordert, zum anderen vor allem auch die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik.
Welche geldpolitischen Mittel
nützen effektiv gegen Inflation?
Brandneu vor zwei Wochen hat der Internationale Währungsfonds IMF eine Studie zu dieser Frage veröffentlicht (https://t.ly/BcdSw). Die Studie hat über 100 so genannte Inflationsschocks in 56 verschiedenen Ländern seit 1970 analysiert und versucht her­auszufinden, welche geldpolitischen Massnahmen mit einem deutlichen Rückgang der Inflation einhergingen. Dafür haben die Forscher zwei Gruppen gemacht: Eine Gruppe, in der die Inflation nach fünf Jahren wieder unter Kontrolle war (weniger als ein Prozent über dem «alten» Inflationsniveau vor dem Anstieg) und eine nicht erfolgreiche Gruppe, in der selbst nach fünf Jahren die Inflation immer noch deutlich erhöht war.
Die Studie kommt zu folgenden Aussagen:
1. Die Inflation ist zäh. Nur in 60 Prozent der untersuchten Fälle konnte die Inflation innert fünf Jahren unter Kontrolle gebracht werden.
2. Die meisten ungelösten Inflationsepisoden involvierten «verfrühtes Feiern der Zentralbanker»: Die Inflation bildete sich zurück, die Zentralbanken lockerten die Geldpolitik, die Inflation blieb auf massiv erhöhtem Niveau oder stieg gar deutlich an.
3. Länder, die den Inflationsanstieg erfolgreich bekämpften, hatten eine straffere Geldpolitik. Straffere Geldpolitik heisst höhere Realzinsen und deutliche Bilanzreduktionen.
4. Die erfolgreichen Länder implementierten die restriktive Geldpolitik konsistenter.
5. Die erfolgreichen Länder hielten die nominale Abwertung des Wechselkurses in Grenzen.
6. Die erfolgreichen Länder verzeichneten zwar ein geringeres Nominallohnwachstum. Dies führte jedoch nicht zu einem geringeren Reallohnwachstum, da ein geringeres Nominallohnwachstum mit einer geringeren Inflation einherging.
7. Die erfolgreichen Länder verzeichneten kurzfristig ein geringeres Wachstum, jedoch nicht über den 5-Jahres-Horizont. Dies deutet möglicherweise darauf hin, dass die Vorteile makroökonomischer Stabilität und politischer Glaubwürdigkeit im Laufe der Zeit die Kosten einer strengeren Politik ausgleichen.
Schlussfolgerungen für die aktuelle Inflationsbekämpfung
Umgangssprachlicher würde ich das auf folgende drei Aussagen reduzieren:
Erstens: Ein diszipliniertes Bekämpfen eines Inflationsschocks lohnt sich sowohl für die Gesamtwirtschaft (höheres längerfristiges Wachstum) wie auch für den einzelnen Arbeitnehmer (höheres Reallohnwachstum).
Zweitens: Hohe Realzinsen, Bilanzreduktion der Zentralbanken (z.B. durch Verkauf von Staatsanleihen) und stabile Wechselkurse scheinen wichtige Faktoren für den Erfolg gegen die Inflation zu sein.
Drittens: Inflation ist zäh, die erfolgreiche Bekämpfung braucht mehr Zeit als uns lieb ist.
Kein Wunder kommen die Autoren zu folgender Schlussfolgerung: «Es ist von entscheidender Bedeutung, noch einige Zeit eine straffe Geld- und Fiskalpolitik beizubehalten. Die politischen Entscheidungsträger sollten eine Lockerung der politischen Rahmenbedingungen als Reaktion auf sich abzeichnende schwächere Inflationswerte vermeiden.»

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Ratgeber Finanzen 37 – 2023

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Gute Anlageideen – trotzdem viele Probleme

Als wir vor gut 25 Jahren mit der professionellen Vermögensverwaltung selbständig losgelegten, machten wir uns einige Gedanken, in was wir längerfristig investieren möchten. Also nicht unbedingt den Modetrends hinterherlaufen, sondern was wird in Zukunft gefragt sein und sich besser als der Durchschnitt entwickeln. In diesem Prozess haben wir dann intern drei Felder definiert, in welche wir mindestens teilweise investieren wollten: Ernährung/Nutrition, Technologie und Energie. Bei der Ernährung haben wir vor allem an Nahrungsmittel mit zusätzlichem Nutzen gedacht. Energie braucht es immer (da waren Alternativenergien noch ein Schattengewächs) und die Technologie bringt im Schnitt Fortschritt. Da wir keine Klumpenrisiken eingehen konnten und wollten, haben wir Fonds zu diesen Themen herausgesucht und dann nach Kosten, Grösse, Beständigkeit des Anbieters und des Fondsmanagers sowie Zukunftsaussichten zu beurteilen versucht. Gerade die Kosten sind ein sehr wichtiges Thema, da überhöhte Gebühren viel Performance «wegfressen». Die Selektion ist dann auf drei aus unserer Sicht namhafte Anbieter und Fonds gefallen und die Idee war, das mal rund 10 bis 20 Jahre durchzuziehen. Tönt gut und wäre auch sehr gut gewesen, wenn…. Ich will keine Anbieter in die Pfanne hauen. Alle diese Fonds gibt es so nicht mehr. Recht schnell gab es Managerwechsel, Währungswechsel, massive Kostenveränderungen, dann Fondszusammenlegungen und später auch noch Fondsliquidationen. Wir mussten teilweise zuschauen, wie unsere Grundidee ohne unser Zutun ständig untergraben wurde. Weder die richtige Idee noch ein guter und seriöser Anbieter ist ein Garant und die Aussagen, dass Papier fast alles annimmt und alle nur mit lauwarmen Wasser kochen, hat sich auch hier wieder bestätigt. Ein ähnliches Bild hat sich ergeben, als wir als Beimischung frühzeitig in die Aktienmärkte von osteuropäischen Ländern, welche als EU-Aufnahmekandidaten gehandelt wurden, investiert hatten. Nach wenigen Jahren wurde der Fonds mit einem Türkei-Fonds zusammengelegt mit Hauptgewicht in der Türkei. Oder noch ein Beispiel: Eine Kundin hat einen Nachhaltigkeitsfonds einer renommierten Bank mit ihrem Depot mitgebracht, welcher nun wegen vielen Rücknahmen und grossen Verlusten in der Liquidation ist. Nachhaltig ist leider nur der Verlust. Trotz all diesen Erfahrungen bin ich nicht pauschal gegen Fonds. Gerade wo Diversifikation schwer zu erreichen ist, machen diese Sinn. Ich schaue aber noch mehr auf die Gesamtkosten und halte mich ausser bei ETF’s von Grossanbietern fern. Der Name allein ist leider keine Gewähr für Kontinuität.

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