Ein Produkt der mobus 200px

Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Leonteq als Tradingvehikel
Erstmals habe ich diesen Titel im November 2019 zum Kauf empfohlen zum Preis von rund 30 Franken (bei Interesse können Sie die alten Ratgeber auf unserer Webseite nachlesen). Im März 2020 habe ich bei 43.50 Franken zu einem (leider nur Teil-)Verkauf geraten. Nach einer Gewinnwarnung kam die Aktie unter Druck und im April 2020 habe ich bei 31 Franken zu
einem Wiedereinstieg geraten. Der Kurs ist im Juli erneut angestiegen bis auf etwa 45 Franken, hat dann wieder massiv korrigiert und lag im Oktober erneut bei etwa 32 Franken, wo ich Leonteq erneut zum Kauf empfohlen habe. Nach starken Jahreszahlen ist der Kurs in den letzen Wochen nun wieder auf etwa 45 Franken angestiegen. Somit ein Hin und Her im Range von 30 bis 45 Franken. Was nun?
Mein Rat ist wieder der Gleiche wie schon die letzten Male auf diesem Niveau. Wer eine grosse Position mit Gewinnen hat, kann einen Teil der Gewinne mitnehmen. Längerfristig bleibe ich aber bei Leonteq zuversichtlich und würde eine gewisse Position stehen lassen.
Leonteq konnte letztes Jahr aufgrund der Volatilität an den Finanzmärkten mehr Volumen kreieren, andererseits wurde sie recht stark abgestraft mit unerwarteten Hedging-Verlusten (Ausfall von Dividenden, zeitweise negativer Preis auf Erdölfutures). Der Start ins 2021 ist nach eigenen Angaben gut geglückt und die letztes Jahr bekannt gegebenen Zusammenarbeitsverträge mit mehreren neuen Gegenparteien dürften ab diesem Jahr Früchte tragen. Ein Problem aus Sicht als Aktionär sind die – leider in der Finanzbranche fast üblichen – zu hohen Saläre für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Operativ aber sehen die Zukunftsaussichten für Leonteq aus unserer Sicht weiterhin gut aus.

In Central Banks we trust…
Aufgrund der Impffortschritte dürfte 2021 die Realwirtschaft endlich wieder mal kräftig zulegen. Wobei die «Verluste aufholen» die Realität wohl besser beschreibt. Wie dem auch sei… die optimistischeren Aussichten haben bereits zu einem kleinen Anstieg der längerfristigen Zinsen geführt. Die riesigen Hilfsgelder scheinen in die Realwirtschaft zu fliessen und entwickeln einen gewissen Inflationsdruck. Steigende Zinsen, steigende Rohstoffpreise, steigende Inflation: Dieses Gemisch war für Aktien in der Vergangenheit selten positiv. Wer kann da die Anleger retten?
Natürlich einmal mehr die Zentralbanken. Diese sind es seit Jahren, die mit ihrer expansiven und mittlerweile ultra-expansiven Geldpolitik nicht die Realwirtschaft und die kleinen Unternehmen unterstützen, sondern immer wieder die Anleger retten. Der Begriff des Zentralbank-Puts machte erstmals unter dem damaligen FED-Präsidenten Greenspan die Rede: Wenn die Aktienmärkte sinken, dann ruft das die Zentralbanker auf den Plan und sie überfluten die Märkte mit Liquidität. Greenspan war im Vergleich zu heute, zu Powell, diesbezüglich ein «Ministrant». Bei jedem noch so kleinen Rückgang verkündet Powell (gerade diese Woche wieder), wie ‹geduldig› – was für ein Euphemismus, einseitig und blind auf einem Auge wäre wohl richtiger – die FED bleiben werde und selbst grössere Inflation tolerieren werde. Die Märkte reagieren wie Pawlow’s Hund und geifern schon, kaum hat Powell den Mund aufgemacht.
Das Problem der Zentralbanker wird allerdings immer grösser: Ihre Massnahmen bringen der Realwirtschaft immer weniger und an den Aktienmärkten geht es immer weniger darum, Gewinne der realen Firmen in Kursgewinne umzumünzen, sondern ob ein noch unvorsichtigerer Anleger einen noch höheren Preis zahlt. Bleiben Sie vorsichtig und selektiv mit Ihren Anlagen.

Haben Sie Fragen? Dann schicken Sie mir ein Mail an oder rufen an unter Tel. 062 871 93 57.

Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Keine Aktien von Telefonverkäufern kaufen
Die Aktien boomen und ein gewiefter Telefonverkäufer bietet ein richtiges Schnäppchen mit viel Potenzial an. Es gibt nur ein Rezept: NEIN, danke! Auf keine Diskussionen einlassen, und wenn nötig halt das Telefon auflegen. Diese Verkäufer haben immer ein neues, gutes Argument, weshalb man gerade jetzt einsteigen oder dazukaufen muss. Die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes bei solchen Aktien ist verschwindend klein. Nein, meist droht sogar der Totalverlust. Danach rechtlich dagegen vorzugehen wird mühsam und teuer. Wer einmal etwas gekauft hat, wird oft noch Jahre später mit anderen, tollen Angeboten überhäuft, da die Adressen auch noch weiterverwendet werden. Deshalb: NEIN, danke!

Minuszinsen im Auge behalten
Wir sind in einer «komischen» Zeit und sie wird aus meiner Sicht immer spezieller. Wenn man jemandem Geld leiht, muss man dafür zahlen. Das temporäre Phänomen wird immer mehr zur Normalität. Die Hürde, ab welcher man davon betroffen ist, scheint immer mehr zu sinken. Sparen wird bestraft. Das Geld geht dafür in risikoreichere Anlagen. Deren Preise steigen und steigen und diese Anlagen scheinen «alternativlos». Ich verstehe, dass die Nationalbank versucht, den Schweizer Franken nicht zu stark werden zu lassen. Ist es aber sinnvoll, einen grösseren Teil des Mittelstandes schleichend zu enteignen oder in risikoreichere Anlagen zu drängen? Ist es sinnvoll, andere Anlagekategorien in absurde Höhen zu treiben, «nur» um die Exportwirtschaft zu stützen. Persönlich bezweifle ich das und höre auch zu wenige kritische Stimmen. Dieses Medikament hat kaum mehr Wirkung und die Nebenwirkungen sind auf die Dauer viel zu gross. Wie soll ich mich nun selber verhalten? Die Sache im Auge behalten. Liquidität evtl. auf mehreren Banken halten und im Notfall einen Teil des Guthabens in bar beziehen und sicher verwahren. Schulden rückzahlen, auch wenn die Schuldzinsen historisch einmalig tief sind. Sicher auch einen Teil des Geldes angelegt haben, aber nicht um jeden Preis! Irgendwelche Hochrisikopapiere, nur damit man den Negativzins vermeiden kann, das macht längerfristig kaum Sinn und wird sich auch kaum rechnen. Kurzfristig kann es anders aussehen, aber längerfristig hat es noch NIE ein Perpetum mobile gegeben, und jede Übertreibung hat sich wieder schmerzhaft korrigiert.

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oder rufen unter 062 871 66 96 an.

Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Neues Jahr, neues Glück
Die Aktienmärkte boomen, sämtliche Bankstrategen erwarten auch dieses Jahr steigende Börsen. Wenn alle dasselbe denken, kommt es häufig anders.
Die Argumentation der positiven Marktexperten lautet: Die von den Corona-Massnahmen gebeutelte Wirtschaft wird sich 2021 erholen können. Gewinne und Umsatz vieler Firmen werden steigen. Höhere Gewinne gleich höhere Kurse.
Wir gehen ebenfalls davon aus, dass sich im 2021 die Wirtschaft erholen wird und einen Grossteil des Rückgangs vom 2020 wettmachen wird. Die Gewinne vieler Firmen werden steigen. Die Gleichung „höhere Gewinne gleich höhere Kurse“ ist jedoch zu einfach.
Langfristig ja, kurzfristig ist das aber häufig nicht der Fall. Schon in der kürzesten Vergangenheit traf das nicht zu. Bspw. 2020 hatten wir stark sinkende Gewinne und trotzdem steigende Börsen. Auch 2019 wichen die Märkte zu Gunsten der Aktien von der einfachen obigen Gleichung ab: die Gewinne stiegen nur um wenige Prozent, die Börse aber legte um ca. 30% zu. Mit anderen Worten: Die Schere zwischen den Finanzmärkten und der Realwirtschaft ist in den letzten Jahren so enorm wie noch kaum je aufgegangen. Die Aktien sind sehr teuer geworden. Das künftige Anlageumfeld wird deshalb schwieriger und deutlich anspruchsvoller werden.

Auch in Zukunft werden Anleger betrogen
Unter diesem Titel publizierte die Finanz und Wirtschaft am 23. Dezember 2020 einen kurzen Artikel. Gerade angesichts der boomenden Börsen und sehr anspruchsvollen Zukunftsaussichten ein hoch aktuelles Thema. Ich picke die paar wichtigsten Punkte für Sie heraus, wie man die wichtigsten Fehler vermeiden kann und Betrüger erkennt: Wenn Sie noch nie Anlagegeschäfte getätigt haben, dann ist es nie eine gute Idee, online und ohne Rücksprache mit einer Fachperson damit zu beginnen. Konsultieren Sie die Warnliste und die Hotline der Finanzaufsicht Finma, um verdächtige Anlagen zu identifizieren. Besonders bei Telefonverkäufern ist es wichtig, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. Ich persönlich gehe noch eine Stufe weiter: Am Telefon und ohne weitere Informationen kaufe ich nie etwas.
Sie sollten prüfen können, ob das Modell des angeblichen Gurus verständlich, plausibel und nach normaler Wahrscheinlichkeit möglich ist. Längerfristig sehr hohe Renditen sind an sich schon verdächtig. Gute Renditen sind besonders dann auffällig, wenn es nie schlechte Jahre gibt. Madoff, Behring, ASE und Konsorten lassen grüssen. Unverständlichkeit und Intransparenz von Strategien können ein Warnsignal sein.
Ein wichtige Hürde, die Betrug deutlich erschwert: Ein Anlageberater sollte das Geld nie selbst halten, sondern eine Drittpartei muss eingeschaltet sein. Konkret heisst das, dass Sie bei einer Bank ein Konto bzw. Depot auf Ihren Namen eröffnen. Der Verwalter darf dort einzig Transaktionen im Rahmen eines besprochenen Risikoprofils vornehmen, aber selber keine Zahlungen ab Ihrem Konto vornehmen. Passen Sie auf, was für Formulare Sie unterschreiben, sprich welche Rechte Sie dem Verwalter einräumen.
Das alles verhindert zwar noch immer nicht ganz, dass Sie einem Anlagebetrüger aufsitzen, aber die Wahrscheinlichkeit ist schon bereits deutlich kleiner.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Wie könnte es nach der Corona-Pandemie weitergehen?
Die Finanzmärkte scheint die Pandemie schon länger nicht mehr wirklich zu interessieren und sie nehmen aus unserer Sicht einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung vorweg.
Dieser Aufholaufschwung ist nicht unmöglich! Was mir aber gar nicht gefällt, ist, dass mehr oder weniger alle Anlageklassen auf Höchstständen liegen. An so etwas mag ich mich nicht erinnern und persönlich finde ich nur eine Erklärung: Die unendliche Liquidität, welche die Zentralbanken in Märkte gepumpt haben. Seit der Finanzkrise (nun rund 12 Jahre her), gab es nur eine Richtung. Nehmen wir einmal an, dass dieser Aufschwung nach der Pandemie wirklich richtig kommt. Eine höhere Nachfrage könnte auf ein nicht gleich schnell wachsendes Angebot treffen und die Preise würden steigen. Plötzlich könnte die Inflation, welche wir in den Anlagen ja schon länger sehen, auch in den Konsumgütern ankommen. Dann würde es richtig spannend, da für die hochverschuldeten Staaten höhere Zinsen sehr schwierig zu bewältigen wären. Lässt man diese weiterhin künstlich sehr tief oder würde man zügig versuchen, die aufkommende Inflation zu bekämpfen? Ob so ein Szenario gut für die Aktienmärkte ist? In der Vergangenheit kaum. Tritt der Wirtschaftsaufschwung nicht so ein, dann sind die aktuellen Marktbewertungen in keiner Weise zu rechtfertigen. Dann würde wieder nur die Liquiditätserklärung die Höhe erklären und ich komme wieder mit der alten Frage: Ist es jemals gelungen, sich selber am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen?
Es wird spannend bleiben und mich würden grössere Schwankungen nicht überraschen. Wie verhalte ich mich aber in einer solchen Phase richtig? Leider habe auch ich hier kein Patentrezept und koche (wie alle anderen) auch nur mit Wasser. Keine allzu aggressive Anlagepolitik und eine gute Diversifikation könnte das A und O sein. Mindestens sollte dies ganz grobe «Schnitzer» verhindern und einem hoffentlich nie den Schlaf rauben.
Ich wünsche Ihnen ein erfreuliches und gesundes 2021.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Aktienmärkte auf Rekordjagd
2019 haben die meisten Aktienmärkte um die 25-30% zugelegt. Die Gewinne der Firmen bewegten sich in der Summe nur minim aufwärts. Der Preis, den wir für die Aktien bezahlen, hat sich somit um rund 25% erhöht gemessen an den Gewinnen.
Wie sieht das im fast schon vollen Aktienjahr 2020 aus? Nach starken Kursverlusten im Frühjahr, ausgelöst durch die Angst vor der sich anbahnenden Corona-Pandemie, stiegen die Indices weltweit wieder stark an, teilweise sogar über den Stand von Anfang Jahr. Der S&P500 beispielsweise steht aktuell mehr als 15% im Plus. Die Gewinne der S&P500 Firmen hingegen stehen trotz Erholung im 3. Quartal per Ende September noch fast 30% im
Minus gegenüber dem Jahresanfang. Die Bewertungsschere ist somit über diese knapp zwei Jahre etwa 100% aufgegangen. Auch wenn wir den Corona-Gewinn-einbruch weglassen, bleibt eine höhere Bewertung von mehr als 40% vs. Anfang 2019.
Mit den bald verfügbaren und offenbar recht effektiven Impfstoffen scheint eine weitere Erholung der Realwirtschaft plausibel und im Sommer 2021 könnte die Wirtschaft wieder auf vollen Touren laufen. Davor aber müssen wir noch durch den Winter kommen. Reicht das, um weitere Kursgewinne zu rechtfertigen? Unsere unzweideutige Meinung ist Nein.

Der verstorbene Börsenaltmeister André Kostolany verglich das Verhältnis zwischen der Wirtschaft und der Börse einmal mit einem Mann, der mit seinem Hund Gassi geht. Der Hund läuft manchmal dem Herrchen voraus, manchmal hinterher. In der Summe jedoch bewegen sich beide in der gleichen Zeit vorwärts. Wo stehen Hund und Herrchen im Moment?
Seit der Finanzkrise vor 12 Jahren haben die Zentralbanken dem Aktienmarkt mit immer extremeren Liquiditätseinschüssen eine immer längere Leine gegeben und die Börse ist seinem Herrchen, der Realwirtschaft, weit vorausgelaufen. Der Abstand scheint so gross zu sein wie kaum je in den letzten 100 Jahren. Machen die Zentralbanken die Leine noch länger? Wer weiss. Dass mit so einer langen Leine die Kontrolle des Herrchens über den Hund immer kleiner wird, ist das eine (und ein Thema für einen anderen Ratgeber). Aber reicht das auch aus, dass der Hund seinem Herrchen noch weiter voraus läuft? Nicht unbedingt. Hunde haben die Angewohnheit, dass sie manchmal auch bei langer Leine wieder zum Herrchen zurückkommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Aktienmarkt zurückkommen wird, erachten wir als deutlich grösser als dass die Realwirtschaft plötzlich zum Spitzenmarathonläufer mit Sprinterqualitäten wird und eine weiterlaufende Börse einholt. Wir würden deshalb zu Gewinnmitnahmen raten.

Steuern sparen
Wer als Erwerbstätiger dieses Jahr noch keine Einzahlung in die dritte Säule gemacht hat, dies aber noch tun will, muss sich sputen. Eine Einzahlung in die Säule 3a (oder auch ein Einkauf in die Pensionskasse) kann sich aus steuerlichen Gründen lohnen. Der Maximalbetrag beträgt 2020 Fr. 6826 (bzw. für Selbständigerwerbende 20% vom Erwerbseinkommen). Der einbezahlte Betrag darf beim steuerbaren Einkommen geltend gemacht werden und senkt somit die Steuerrechnung. Erst bei der künftigen Auszahlung wird eine Steuer fällig, und dies zu einem Vorzugssatz von 30% beim Kanton bzw. 20% beim Bund.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Gar nichts führt zu Kurskorrekturen
Weder neue Lockdowns, welche kaum Rückenwind für die Wirtschaft darstellen, noch die «komischen» Wahlen in den USA, bei welchen immer noch auf dem rechtlichen Weg gekämpft wird, können den Aktienmärkten im Moment etwas anhaben. Der Markt will rauf, ob man es nachvollziehen kann oder nicht, spielt gar keine Rolle. Aktien werden gekauft, weil man sie in ein paar Monaten teurer verkaufen kann, nicht weil die Firmen ein Wachstum hinlegen oder neue, viel bessere Produkte bringen. Solche Phasen gab es in der Vergangenheit schon mehrfach. Diesmal speziell ist die Breite. Mehr oder weniger alle Anlagekategorien steigen und steigen im Preis. In der Vergangenheit waren das häufiger einzelne Anlagekategorien und nicht gesamte Märkte. Weiter tanzen, solange die Musik spielt, das scheint das Motto zu sein und die immense Liquidität scheint das Schwerkraftprinzip der Physik auszuschalten. Aber nochmals: Das perpetum mobile gibt es nicht und was hoch abhebt, kann auch böse fallen. Nun ist einfach die schwierige Frage, wie weit stecken wir bereits in dieser Aufwärtsspirale? Die Vergangenheit hat mehrmals gezeigt, dass die Preise am Schluss noch fahnenstangenmässig weiter ansteigen, bevor sie dann oft für längere Zeit in die andere Richtung gehen. Sind wir schon in der «Fahnenstangenphase»? Aus meiner Sicht ja, aber wie lange ist die Fahnenstange?

Wie kann man eine sinnvolle Absicherung machen?
Überlegungen über Depot- oder Aktienabsicherungen können Sinn machen. Nicht immer will man seine Aktien verkaufen, strebt aber eine (Teil-)Absicherung seiner Anlagen an. Hier können sich Derivate eignen. Ohne abschliessend zu sein, gibt es folgende Möglichkeiten: 1. Put-Optionen auf einzelne Aktien oder Indices. 2. Futures oder Minifutures auf Aktien oder Indices. 3. Produkte auf Volatilität.
Put-Option: Hier kauft man das Recht, in einer gewissen Zeit, eine Aktie oder Index zu einem definierten Preis verkaufen zu können. Dafür zahlt man einen Preis. Wenn man das Recht nicht ausübt, verfällt die Option. Für eine solche Absicherung muss man ein recht gutes Timing haben, da der Zeitwert unweigerlich gegen einen läuft oder man immer wieder neue Optionen kaufen muss, da sonst die Absicherung ausläuft.
Futures oder Minifutures (zur Absicherung): Hier verkauft man ein Finanzprodukt mit einem gewissen Hebel auf Aktien oder einen Index. Der Vorteil: Es gibt keine Prämie für einen Zeitwert und das richtige Timing ist weniger wichtig. Für Futures braucht es aber eine Kreditlimite und sie eignen sich eher für grössere Absicherungen. Mit Mini-Futures kann man auch mit kleineren Beträgen Teilabsicherungen machen.
Volaprodukte: Es hat sich gezeigt, dass starke Einbrüche mit einer schnell und stark ansteigenden Volatilität korrelieren. In der Theorie ist das einleuchtend. Das richtige Produkt aber zu finden, ist nicht ganz einfach, da auch hier viele Produkte ihre speziellen Tücken haben.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Nichts zu den US-Wahlen?
Ein Ratgeber, der nicht auf das derzeitig alles beherrschende Thema der amerikanischen Wahlen eingeht, was soll das? Zum Ersten haben diejenigen, die sich dafür interessieren, sicher schon alles darüber gelesen (oder können auch unsere Kurzanalyse auf unserer Homepage ruetschi-ag.ch unter der Rubrik Finanzmarktberichte nachlesen). Zum Zweiten sind die Wahlen zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Ratgebers noch nicht entschieden.
Und zum Dritten gibt es Entscheide, die langfristig wichtiger für eine gute Anlageperformance sind und die man vor allem selber treffen kann.

Auswahl eines Vermögensverwalters
Worauf sollte ich achten, wenn ich meinen Vermögensverwalter auswähle? Woran lassen sich überzeugende Vermögensverwalter erkennen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Artikel der NZZ letztes Jahr (Autor Michael Schäfer, 8. Mai 2019). Er zitierte einige Indikatoren aus Analysen vom unabhängigen Beratungsunternehmen «Zwei Wealth».

Grosse Unterschiede
Die Daten zeigen zuerst mal, wie wichtig es ist, sein Portfolio von einem guten Anbieter verwalten zu lassen. Die Ergebnisse der Vermögensverwalter unterscheiden sich teilweise sehr stark.

Banken schneiden schlecht ab
Es gibt gemäss den Analysen nicht das «eine» Profil des erfolgreichen Vermögensverwalters. Unterschiede und Indikationen gibt es aber durchaus. Die Analyse hat die Vermögensverwalter in drei grobe Gruppen eingeteilt: Bei den «spezialisierten Asset-Managern» (Kerngeschäft VV, oftmals spezialisiert auf gewisse Themen, nicht selten mit eigenen Fonds) ist der Anteil an «empfehlenswerten Vermögensverwaltern» am höchsten, knapp dahinter die «unahängigen Vermögensverwalter» (Kerngeschäft VV, oftmals etwas kleiner, eher Generalisten). Dagegen fallen die Banken als dritte Gruppe deutlich ab. Woher kommen diese Unterschiede?

Indikationen für Qualität im Anlageprozess
Je einfacher ein Portfolio strukturiert ist, umso wahrscheinlicher sind gute Resultate. Bei Verwaltern, welche nur auf Aktien, Obligationen und liquide Mittel setzen, wurde ein grosser Anteil als empfehlenswert eingestuft. Werden zusätzlich Hedgefunds oder Private Equity eingesetzt, sinkt dieser Anteil. Konsequenzen hat auch die Wahl der im Portfolio verwendeten Instrumente. Markante Vorteile zeigen sich bei den Managern, die vor allem auf Direktanlagen sowie auf günstige, passiv verwaltete Fonds (ETF) setzen. Dies erklärt sich vor allem damit, dass diese Instrumente deutlich günstiger sind als aktiv verwaltete Fonds oder strukturierte Produkte.

Kosten, Kosten, Kosten…
Überhaupt sind Kosten ein wichtiges Kriterium, wenn es um den Anlageerfolg geht. Aber vergleichen Sie Äpfel mit Äpfel. Nebst oben angesprochenen teilweise versteckten Produktkosten fallen Transaktionskosten (Courtagen), Depotgebühren und die eigentlichen Vermögensverwaltungskosten an. Manche Anbieter verpacken diese Kosten in eine All-In-Fee. Gerade bei unabhängigen Vermögensverwaltern ist es relevant, ob sie mit der Depotbank gute Sonderkonditionen für ihre Kunden ausgehandelt haben.

Grösse ist irrelevant
Der Artikel schliesst mit folgender Aussage: «Zwar hat man keine Garantie, bei einem besseren Vermögensverwalter zu landen, wenn man auf die genannten Kriterien achtet. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt, ist jedoch deutlich höher, als wenn man die Attribute ignoriert und den Verwalter aufgrund des Namens, der örtlichen Nähe oder der Grösse wählt. Letztere, gemessen an der Höhe der verwalteten Gelder, ist anscheinend irrelevant.»

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Leonteq: Und täglich grüsst das Murmeltier...
Obiger Titel eines Filmes mit Bill Murray von 1993 wurde zum geflügelten Wort für Situationen, die sich mehrfach wiederholen und fast gleich immer wieder vorkommen. Bei Leonteq fühle ich mich an diese Redewendung erinnert. Erstmals habe ich diesen Titel letztes Jahr im November zum Kauf empfohlen zum Preis von rund FR. 30.–(bei Interesse können Sie die alten Ratgeber auf unserer Webseite nachlesen). Im März 2020 habe ich bei Fr. 43.50 zu einem (leider nur Teil-)Verkauf geraten. Nach einer Gewinnwarnung kam die Aktie unter Druck und im April 2020 habe ich bei 31 Franken zu einem Wiedereinstieg geraten. Der Kurs ist erneut angestiegen bis auf etwa Fr. 45.–, hat aber seit Ende Juli wieder massiv korrigiert und liegt nun erneut bei etwa 32 Franken. Zeit um erneut zuzukaufen?

...grosser Handelsverlust im ersten Halbjahr
Leonteq hat in seinem Halbjahresbericht Sonnen- und Schattenseiten gezeigt. Unter anderem dank der volatilen Börsenkurse war die Nachfrage nach den Produkten extrem stark und die Volumen wurden deutlich erhöht. Andererseits wurde Leonteq von den massiven Auswirkungen von Corona auf die Finanzmärkte an zwei Orten auf dem falschen Fuss erwischt: Zum einen verursachten die extremen Turbulenzen am Ölmarkt – kurzzeitig notierten die Preise für Erdölfutures im deutlich negativen Bereich – einen Handelsverlust von ca. 20 Mio., zum anderen haben diverse Firmen bereits beantragte Dividenden gestrichen, was zu weiterem ca. 40 Mio. Handelsverlust auf den bereits emittierten Produkten führte. Unter dem Strich verdiente Leonteq deshalb im ersten Halbjahr nur 6 Mio., was einem Gewinn von Fr. 0.29 pro Aktie entspricht.

...bessere Aussichten fürs zweite Halbjahr
Das zweite Halbjahr scheint bislang keine solch einschneidenden Extremereignisse zu bringen. Das Tagesgeschäft scheint normal zu laufen, womit Leonteq seinen Handelsverlust mutmasslich deutlich verkleinern wird. Zudem konnte Leonteq mehrere neue Vertriebspartner bekanntgeben, so dass auch die Aussichten für die Volumen gut stehen.
Unter dem Strich stufe ich deshalb Leonteq zum dritten Mal auf einem Preisniveau von gut 30 Franken als attraktiv ein und würde risikofreudigen Anlegern zu einem Kauf raten.

Chaotisches US Präsidentschafts-TV-Duell
Die beiden mögen sich nicht, das wusste man. Der eine ist amtierender US-Präsident, der andere war vor vier Jahren noch US-Vizepräsident und ist heute der Kandidat der Demokraten. Beide sind nicht mehr jung (was eigentlich eine Untertreibung ist), besser gesagt, es sind zwei ältere, an sich erfahrene Politiker. Offenbar fehlt es aber beiden an einem Mindestmass an Anstand und Respekt für das Vis-à-vis. Natürlich schafft es niemand, in einer aufgeheizten Debatte auf persönliche Angriffe immer souverän zu reagieren, aber ein aggressives Dauergefecht, bei dem kaum ein Satz fertig gesprochen werden kann, ohne dass der andere ins Wort fällt, ist keine Debatte, sondern höchstens ein Duell.

US Politsystem unter Stress
Ich frage mich manchmal, wie es möglich ist, dass ein Land mit fast 330 Mio. Einwohnern am Schluss aus zwei solchen Kandidaten auswählen muss. Das ist nicht nur eine Kritik an den beiden Anwärtern, sondern auch am System. Offenbar ist das US-Politsystem derzeit ziemlich unter Stress. Das ist nicht nur die Schuld von Trump, nein, er kam wohl schon nur deswegen an sein Amt vor vier Jahren. Die Kluft zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf und die USA scheinen die Position als unangefochtene Weltmacht Nummer 1 langsam zu verlieren.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Ölaktien völlig aus der Mode
Die Börsenbewertungen der grossen Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell, Exxon, BP oder Total sind völlig im Keller. Die Aktien sind sehr günstig zu haben, stossen aber auf wenig Interesse. Sind das Vorzeichen, dass Öl in Zukunft keine Rolle mehr spielt oder die Firmen in Zukunft keine Gewinne mehr schreiben? Unbestritten hat Corona zu einem nachlassenden Ölverbrauch geführt. Nicht nur die Luftfahrtindustrie braucht aktuell weniger Energie und oftmals reagieren einige Produzenten auf sinkende Preise mit einer gesteigerten Produktion, um Ausfälle teilweise zu kompensieren, was zusätzlich eine Negativ-spirale auslösen kann. Ich persönlich glaube, dass Öl noch länger eine sehr wichtige Rolle spielen wird. Natürlich werden die Sparbemühungen und die Umstellung auf Strom in einigen Bereichen die Nachfrage nach Öl schmälern. Aber woher soll der ganze Strom kommen, wenn in 10 – 20 Jahre fast alle Atomkraftwerke auf dieser Welt an ihre Altersgrenze kommen? Es wird noch sehr lange einen Energiemix brauchen und fossile Brennstoffe werden uns noch mehrere Generationen begleiten, ob wir das wollen oder nicht. Ein anderer Grund für den Preiszerfall der Aktien könnte sein, dass man aktuell vor allem auf Wachstumsaktien mit Phantasie (vor allem im Technologie- und Pharmabereich) setzt. Da ist ein Ölkonzern doch einfach langweilig und wird abgestossen. Dass aber gerade «langweilige» Firmen längerfristig interessant sind, wird dann oft vergessen. Persönlich bin ich überzeugt, dass Energie auch in Zukunft ein sehr wichtiges Thema bleibt und der Markt im Moment Einstiegs- oder Aufstockungschancen bietet. Dafür braucht es eine längere Durchhaltefähigkeit.

Value Aktien kommen nicht vom Fleck
Die Börsen boomen trotz Corona. Die unendliche Liquidität, welche die Zentralbanken geschaffen haben, führt zu einem Anlagenotstand. Sehr viele Aktien haben ihre Verluste vom März schon längstens wieder wettgemacht. Über Jahrzehnte war der Value-Ansatz (in Schwächephasen günstige unterbewertete Aktien zu kaufen und zu halten) allen anderen Anlageansätzen mit temporären Unterbrüchen immer wieder überlegen. Nun kommen viele dieser Aktien (auch wie oben beschriebenen Ölfirmen) nicht vom Fleck und sind verhältnismässig günstig bewertet. Ist dieses Mal alles ganz anders? Setzt sich eine Momentum- oder Wachstumsstrategie definitiv durch und verändert sich die Firmenlandschaft total? Ich persönlich zweifle sehr stark daran. Die überwunden geglaubte Schwerkraft ist immer wieder zurückgekommen und Bewertungsphantasien können sich sehr, sehr schnell wieder in Luft auflösen. Im Moment halte ich mich immer mehr an bodenständige, «langweilige» und vernünftig bewertete Aktien. Die unendliche Phantasie überlasse ich gerne anderen.

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