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Ratgeber Finanz 45 – 2023

Christoph Zehnder, eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Wie gross ist die «neue» UBS?
Es gibt verschiedene Massstäbe, wie man die «Grösse» einer Firma messen kann. Nach Einverleibung der Credit Suisse hat die UBS gut 120 000 Mitarbeiter weltweit. Der grösste europäische Konkurrent diesbezüglich ist die HSBC mit knapp 220 000 Mitarbeitern. Ebenfalls etwa 220‘000 Mitarbeiter hat die grösste amerikanische Bank JP Morgan.
Die Bilanzsumme der «neuen» UBS dürfte gut 1700 Mia USD betragen. Bei der HSBC sprechen wir hier von über 2500 Mia und bei JPM von etwas weniger als 4000 Mia. Interessant hier: JPM ist nur auf Platz fünf gemäss der Bilanzsumme, die grössten vier Banken weltweit nach Bilanzsumme kommen aus China.
Bei der Marktkapitalisierung ist die neue UBS geradezu klein. JPM bringt es auf enorme 400 Mia USD, HSBC auf gut 140 Mia und die UBS auf ca. 75 Mia USD.

Too small to survive
Die UBS ist also wesentlich kleiner als die grösste europäische Bank und diese wiederum kleiner als die grösste US Bank. Ist es also ein Vorteil, dass dank der Übernahme der CS die UBS den Abstand zu den grössten Banken reduzieren konnte?
UBS-CEO Sergio Ermotti scheint dieser Meinung zu sein. Er hat am 29. März 2023 Folgendes gesagt: «Die Debatte ist nicht ‹too big to fail›. Sie dreht sich vielmehr um ‹too small to survive›.» Obige Vergleichszahlen stützen diese firmenspezifische Sicht. Die UBS ist weltweit gesehen kein Gigant.

Too big to fail (TBTF)
Die volkswirtschaftliche und politische Sicht ist aber diametral anders. Wir haben im vergangenen März gesehen, dass Banken ab einer gewissen Grösse als systemrelevant angesehen werden und der Staat sich gezwungen fühlt, deren Untergang mit allen Mitteln zu verhindern. Um dem Gegensteuer zu geben, wurden im Nachgang zur Finanzkrise eigentlich TBTF-Gesetze erlassen. Das Ziel: Der Staat soll nicht mehr als Retter für Managementfehler hinstehen müssen und Steuergelder in gigantischem Umfang riskieren.

Notrecht statt TBTF
Die TBTF-Gesetze konnten ihren Nachweis, wie potent sie sind, leider nicht zeigen. Der Bundesrat ist einer Anwendung dieser Gesetze im vergangenen März mit der Anrufung von Notrecht zuvorgekommen. Er sah sich – vermutlich aufgrund enormen Drucks aus dem Ausland – gezwungen, den Zusammenbruch der systemrelevanten CS mit Notrecht zu verhindern. Immerhin und zu Recht hat er auf die enormen Risiken hingewiesen, die diese Rettungsaktion für die Schweiz haben könne. Nur: Wenn bereits die Rettung der Credit Suisse potenziell desaströse Auswirkungen für die Schweiz haben könnte, wie sieht das dann erst aus, wenn und falls die mehr als doppelt so grosse UBS gerettet werden müsste?

Schlussfolgerungen
TBTF-Gesetze, die nur «pour la galérie» und auf dem Papier stehen, aber im Ernstfall nicht angewendet werden, nützen nichts. Entweder werden diese so angepasst, dass sie in einem allfällig künftigen UBS-Rettungsfall auch unter Druck des Auslands angewandt werden und auch funktionieren oder dann riskiert die Schweiz ihre gesamte Volkswirtschaft und den starken Schweizer Franken. Denn es ist klar, die Grösse eines Staates limitiert auch die Grösse einer allfälligen Rettungsaktion. Zum Vergleich: Die Wirtschaftsleistung der gesamten Schweizer Wirtschaft betrug 2022 808 Mia USD, also nicht einmal die Hälfte der Bilanzsumme der UBS. Die Grösse der UBS ist ein latentes Problem für die Schweiz. Die Schweizer Politik sollte sich diesem Problem annehmen.

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