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Herbizidlose Unterstockpflege der Reben mit Fadengerät. Foto: LZ Liebegg

Biowein wird von Konsumentinnen und Konsumenten je länger je mehr nachgefragt. Als Dauerkultur stellt der Rebbau für Biobetriebe eine Herausforderung im Anbau dar. Die traditionellen Rebsorten wie Blauburgunder (Pinot noir) oder Riesling-Sylvaner sind auch für den Bioweinbau geeignet, benötigen aber einen angepassten Pflanzenschutz. Daher muss eine länger-fristige nachhaltige Strategie zur Weiterentwicklung des Bioweinbaus angestrebt werden.

MARTINA HÄFLIGER / URS PODZORSKI
Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg

Im Kanton Aargau werden rund 400 Hektaren Weinreben bewirtschaftet, 10 Prozent davon biologisch. Die Umstellung von Rebflächen auf die biologische Produktion war im Kanton Aargau lange Zeit stagnierend. Momentan ist schweizweit eine kleine Trendwende zu spüren. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen eine gut besuchte Weiterbildungsveranstaltung zum Thema «Umstellung auf Biorebbau» durch-geführt. An diesem Abend konnten sich interessierte Betriebsleitende über die nötigen Veränderungen bei einer Umstellung auf die biologische Produktion informieren und sich mit Gleichgesinnten austauschen.

Was machen Biorebbaubetriebe anders?
Für alle Biobetriebe, unabhängig nach welchem Biolabel produziert wird, ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Herbiziden sowie mineralischen Kunstdüngern verboten. Das heisst aber nicht, dass auf Biobetrieben kein Pflanzenschutz betrieben und kein Dünger ausgebracht wird. In erster Linie sollte der Biobetrieb mit indirekten Massnahmen wie einer angepassten Standort- und Sortenwahl und einer funktionalen Biodiversität mit der Förde-rung von Nützlingen ein möglichst stabiles Ökosystem schaffen. Das Ziel ist, die Pflanze so zu stärken, dass sie robuster gegenüber Schädlingen und Krankheiten ist. Erst danach sollte der direkte Pflanzenschutz mit biokonformen Pflanzenschutz- und Düngemitteln zum Zug kommen. Die Unterstockpflege, eine Unkrautbekämpfung im Unterstockbereich der Reben, wird mechanisch gemacht, beispielsweise mit Hackgeräten. Biologische Pflanzenschutzmittel sind natürli-chen Ursprungs – beispielsweise Kupfer, Fenchelöl oder Schwefel. Sie sind weniger wirksam als chemisch-synthetische Mittel und werden während einer Regenperiode abgewaschen. Das führt im Bioanbau bei den traditionellen Rebsorten zu deutlich mehr Durchfahrten mit Traktor und Spritze als im konventionellen Anbau. Bei der Düngung werden organische Dünger wie Kompost oder organische Handelsdünger eingesetzt. Bei speziellen Biolabels wie Demeter kommen zusätzlich biodynamische Präparate wie Hornkiesel oder Brennnesseljauche zur Pflanzenstärkung zum Einsatz.

Alternativen zu Kupfer sind gesucht
Eine grosse Herausforderung im Bioanbau stellen Pilzerkrankungen wie der Falsche Mehltau dar. Dieser kann zu grossen oder totalen Ernteausfällen führen. Zur Vorbeugung werden im biologischen Rebbau vielfach Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasis genutzt. Als Schwermetall baut sich Kupfer im Boden jedoch nicht ab, sondern reichert sich ganz im Gegenteil dazu an. Es bestehen Annahmen, dass eine zu hohe Kupferkonzentration auf bestimmte Organismen im Boden giftig wirken kann. Kupfer steht folglich in der Kritik. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick und die Forschungsanstalt Agroscope beschäftigen sich seit einigen Jahren mit der Entwicklung von Alternativen zu Kupfer. Ziel ist, dessen Aufwandmengen auf ein Minimum zu reduzieren. Bis im Jahr 2025 soll eine Alternative zu Kupfer Marktreife erreichen.

Offen sein für neue Weinsorten
Traditionelle Rebsorten wie Blauburgunder oder Riesling-Sylvaner stellen höhere Ansprüche an die Produktion. Sie sind anfällig auf Pilzerkrankungen und müssen daher auch im biologischen Anbau intensiv behandelt werden. Alternativ dazu stehen sogenannte PIWI-Sorten zur Verfügung. PIWI steht für «pilzwiderstandsfähig». Solche robusten Rebsorten müssen wenig bis gar nicht behandelt werden, auch nicht mit zugelassenen biologischen Pflanzenschutzmitteln. Die Herausforderung besteht allerdings darin, dass diese als Wein die Konsumentinnen und Konsumenten überzeugen müssen, da sie grösstenteils noch unbekannt sind. Die am meisten verbreiteten PIWI-Sorten auf dem Markt sind momentan Solaris und Johanniter bei den weissen sowie Regent und Cabernet Jura bei den roten Sorten.

Vom Anbau bis in die Flasche
Möchte ein Weinproduzent seinen Wein biologisch vermarkten, so müssen die Bio-Richtlinien nicht nur im Rebbau, sondern auch in der Weinbereitung eingehalten werden. Dabei gilt der Grundsatz, dass möglichst wenige Hilfsstoffe zum Einsatz kommen sollen. Je nach Biolabel bestehen ausführliche Vorschriften bezüglich Zusatzstoffen und Verarbeitungsverfahren. Dies betrifft beispielsweise Schönungsmittel, Filtrationshilfen oder den Einsatz von Schwefel. Die strengsten Bio-Richtlinien im Anbau und in der Verarbeitung schreiben die Biolabel Demeter und Delinat vor, danach folgt die Bio-Suisse-Knospe und schlussendlich die Produktion nach Schweizer Bioverordnung. Letzteres ist kein spezielles Label, sondern eine gesetzliche Mindestgrundlage.

Andreas Meier. Foto: zVgErfahrungsberichte zweier Umstellungsbetriebe
Seit 2019 ist das Weingut zum Sternen in Würenlingen biozertifiziert. Für Geschäftsführer Andreas Meier war das schwindende Vertrauen in die Agrochemiefirmen einer der Hauptgründe für die Umstellung. Dies wurde durch einen Pflanzenschutzmittel-Skandal im Schweizer Weinbau im Jahr 2015 zusätzlich verstärkt. Für Andreas Meier ist klar, dass auf seinem Weingut die Ganzheitlichkeit zentraler Bestandteil seines Schaffens ist und die biologische Landwirtschaft Teil eines nachhaltigen Wirkens und Lebens. Die Reaktionen von Kunden und Winzerkollegen waren bisher neutral bis sehr positiv. Allerdings war zu Beginn ein intensiver Austausch mit der Nachbarschaft nötig. Paradox dabei ist, dass die Anwohner die Umstellung auf Bio begrüssen, allerdings schockiert sind, wenn Mitarbeitende aus Selbstschutz mit Schutzanzug und Maske beim Spritzen von biologischen Pflanzenschutzmitteln durch den Rebberg fahren. Aus diesem Grund rüstet Andreas Meier seine Traktoren mit belüfteten Kabinen aus.

Bruno Hartmann. Foto: zVgAuch Bruno Hartmann vom Weingut Hartmann in Remigen spürt diese Trendwende und den Anspruch der Konsumentinnen und Konsumenten hin zu einem nachhaltigen Weinbau. Gemäss Bruno Hartmann kann nur zeitgerecht sein, wer die Herausforderungen in der Natur, im Keller und im Gesellschaftlichen stetig in seine Arbeit als Winzer zu integrieren vermag. Dank der langjährigen Erfahrung im naturnahen Anbau ist die Umstellung auf Bio für Bruno Hartmann der zukünftige Weg.


Quelle: Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Nr. 856 / Mai 2021 der Informationsbulletins «UMWELT AARGAU», herausgegeben vom Kanton Aargau. «Umwelt Aargau» kann bestellt werden unter www.ag.ch/umwelt-aargau

Bilder
Erstes Bild: Herbizidlose Unterstockpflege der Reben mit Fadengerät. Foto: LZ Liebegg
Zweites Bild: Andreas Meier. Foto: zVg
Drittes Bild: Bruno Hartmann. Foto: zVg

Mehr zu diesem Thema im Artikel «Mehltau hatte leichtes Spiel – ein schwieriges und herausforderndes Jahr 2021 für (Bio-)Weinbaubetriebe»

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