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Blick auf den KSB-Gesundheitscampus mit der Baustelle des Neubaus. Nach dessen Inbetriebnahme wird das alte Spitalgebäude (rechts) zurückgebaut. Foto: zVg

(pd) Das Kantonsspital Baden (KSB) hat bei der Finanzierung seines Neubaus einen wichtigen Meilenstein erreicht: Durch die Emission von Anleihen hat es am Mittwoch 125 Millionen Franken aufgenommen. Damit verlief auch die zweite von insgesamt drei geplanten Finanzierungsrunden erfolgreich. Die Gesamtkosten für den KSB-Neubau werden sich auf insgesamt 545 Millionen Franken belaufen. Die Inbetriebnahme des neuen Spitals ist für Herbst 2024 geplant.

Nachdem das KSB bereits im April 2018 durch die Emission von Anleihen 300 Millionen Franken aufgenommen hat, generierte es nun in einer zweite Kapitalrunde liquide Mittel in der Höhe von 125 Millionen Franken. Über 30 Investoren sind in diese Anleihe mit 15-jähriger Laufzeit involviert. «Wir sind sehr stolz und zufrieden, dass es uns gelungen ist, ein solch breites Spektrum an Investoren für unser Neubau-Projekt zu begeistern», sagt KSB-CFO Philippe Scheuzger. Mit einem Coupon von 0,35 Prozent reiht sich das KSB in diesem Laufzeitsegment bei den tiefsten je gesehenen Coupons im Spitalsektor ein. «Die Pläne für das KSB-Neubau-Projekt und der bisherige Stand der Arbeiten haben die Investoren ganz offensichtlich überzeugt.»
Dort, wo im August 2018 auf der grünen Wiese der Spatenstich vollzogen wurde, steht nun ein achtstöckiges Gebäude mit einer Nutzungsfläche von 76‘200 Quadratmetern. Im Zeitraffer-Film kommen die Baufortschritte sehr schön zum Ausdruck: Hier geht’s zum Video. Seit Anfang August dieses Jahres wird der Innenausbau vollzogen. Die Inbetriebnahme für das neue KSB ist auf Herbst 2024 terminiert worden. Ehe der Umzug vom alten ins benachbarte neue Gebäude stattfinden kann, wird der Neubau einer mehrmonatigen Testphase unterzogen werden. Der Termin für die Inbetriebnahme wurde mit Bedacht gewählt. «Von Oktober bis Ostern herrscht im KSB traditionell Hochbetrieb. Oftmals liegt die Bettenauslastung in dieser Zeit bei hundert Prozent», erklärt KSB-CEO Adrian Schmitter. In einer solchen Phase sei ein Umzug schwierig. Dasselbe gelte für die Sommermonate mit den Ferien. Daher habe man das Zeitfenster Anfang Herbst 2024 ins Auge gefasst.

Mitarbeitende haben den Spital-Neubau mitgestaltet
Wurden die Kosten für den Neubau bei Planungsbeginn im Jahr 2014 auf 450 Millionen Franken veranschlagt, so wird sich der Betrag bis Ende der Bauarbeiten auf 545 Millionen Franken belaufen. «Wir haben den Neubau bewusst nicht mit einem Totalunternehmer, sondern mit einem Generalplaner realisiert. Das bietet den Vorteil, dass wir die Planung aktiv mitgestalten können. Während der Rohbau bereits konkrete Formen annahm, hatten unsere Mitarbeitenden immer noch die Möglichkeit, Ideen einzubringen, um die Abläufe und Prozesse zu optimieren», erklärt Schmitter.
Insgesamt gab es in den vergangenen Jahren über dreihundert Nutzergespräche. Auf diese Weise wurde das ursprüngliche Projekt optimiert und den aktuellen Bedürfnissen – höhere ambulante Nachfrage, technologische Innovationen, Digitalisierung usw. – angepasst. Zudem galt es, neue stationäre Angebote wie beispielsweise die Nuklearmedizin und die Kardiologie in den Neubau zu integrieren. Darüber hinaus führte die Verdichtung der Fläche dazu, dass unter anderem 33 zusätzliche Bettenplätze geschaffen wurden, womit im Neubau insgesamt über 400 Betten zur Verfügung stehen werden. Damit wird der demographischen Entwicklung im Grossraum Baden Rechnung getragen.
Bezüglich der Technologien ist das KSB im Frühjahr 2021 eine Vereinbarung mit Siemens Healthineers eingegangen. Ziel dieser technologischen Partnerschaft ist es, das KSB zu einem «Referenzspital» zu machen.

Corona und hohe Preise
Nebst solchen Ergänzungen und Optimierungen haben regulatorische Vorschriften (u.a. beim Brandschutz) sowie unerwartet hohe Preise bei gewissen Grossvergaben die Kosten in die Höhe getrieben. Mangels Konkurrenzangeboten kommt beispielsweise die Lüftung im KSB doppelt so teuer zu stehen wie bei anderen Spitälern von vergleichbarer Grösse, die in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls Neubauprojekte realisiert haben.
Zu Verzögerungen und Verteuerungen führte auch die Corona-Pandemie. So konnten beispielsweise aufgrund von Covid-Schutzmassnahmen oftmals nur halb so viele Arbeiter auf der Baustelle tätig sein wie geplant. «Die Entwicklung der Preise und Lieferfristen für Roh- und Baustoffe bleibt wegen Corona weiterhin unsicher», sagt Schmitter. «Erfreulicherweise ist ein wesentlicher Teil
dieser Produkte aber bereits bestellt und teilweise sogar schon ausgeliefert worden. Insofern sind die Risiken in den kommenden Monaten für uns überschaubar.» Das Kostendach von 545 Millionen Franken sollte somit eingehalten werden können.

Finanzielle Tragbarkeit bleibt gewährleistet
Finanziell kann das KSB die Kosten für das Neubau-Projekt stemmen. Als man im Jahr 2014 die Pläne für den Neubau in Angriff nahm, betrug der Umsatz des KSB gut 300 Millionen Franken. Vor diesem Hintergrund wurde seinerzeit eine Investitionssumme von 450 Millionen Franken als tragbar beurteilt. Mittlerweile ist der Gesamtumsatz auf rund 400 Millionen Franken angestiegen. In seiner Finanzplanung rechnet das KSB weiter mit einem konstanten Wachstum; gleichzeitig strebt es – wie vom Eigentümer (dem Kanton Aargau) gefordert – weiterhin eine EBITDA-Marge von zehn Prozent an.
«Aus politischer Sicht ist erfreulich, dass das KSB die finanzielle Last für den Neubau alleine trägt. Der Kanton Aargau als Eigentümer tritt nicht als Geldgeber in Erscheinung», sagt Daniel Heller, Verwaltungsratspräsident der KSB AG. Mit dem Eigentümer werde weiterhin ein intensiver Austausch gepflegt, inklusive regelmässigen Updates zu den Baufortschritten.

Was bisher gebaut wurde
Von den insgesamt 545 Millionen Franken, die der Neubau kostet, wurden bisher über 300 Millionen Franken verbaut respektive mittels
Ausschreibungen disponiert. Am Anfang stand der Aushub von 230‘000 Kubikmetern Erde, der mit rund 19‘000 Lastwagenfahrten über eine separat errichtete Baupiste nach Dottikon transportiert wurde, um dort eine ehemalige Deponie zu renaturalisieren.
Der KSB-Neubau steht auf 830 teils über 30 Meter langen Betonpfählen, die die Last des Gebäudes tragen und dafür sorgen, dass das Spital gewissen Erderschütterungen standhält. Weitere Zahlen der ersten Bauphase geben einen Eindruck von der Dimension des Rohbaus:
• 14‘000 Tonnen Beton und 1000 Tonnen Bewehrungsstahl wurden verbaut.
• 5 bis zu 70 Meter hohe Baukräne verteilen die Materialien auf der Baustelle.
• 23 Kilometer Gerüst wurden aufgestellt.
• 750 Meter Entwässerungsrohre sorgen für eine trockene Baustelle.
• 5,6 Kilometer LED-Bänder bieten die Gewähr, dass die Bauarbeiter beim Innenausbau auch in den dunkelsten Winkeln gute Sichtverhältnisse haben.

Healing Architecture
Der KSB-Neubau wird nach den Prinzipien der Healing Architecture gebaut. Die Pläne stammen von der deutschen Architektin Christine Nickl-Weller, die im Jahr 2004 als Professorin für den Lehrstuhl «Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens
» an die Technische Universität Berlin berufen wurde. Neben der reinen Lehre widmet sie sich verschiedenen Forschungsgebieten wie «Healing Architecture».
Das fürs KSB entworfene Konzept des Architektenbüros Nickl & Partner beinhaltet helle Zimmer mit Blick ins Grüne und viel natürliches Licht. Nebst elf offenen Innenhöfen sorgen Bäume und Pflanzen sowie Baumaterialien wie Holz für viel Geborgenheit. Ziel ist es, dass sich Mitarbeitende, Besucher und Patienten im Neubau gleichermassen wohlfühlen.

Nachhaltig, umweltschonend und regional
Der KSB-Neubau bettet sich harmonisch in die Umgebung ein. Grossen Wert legt das KSB auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit. So sorgt beispielsweise ein spezieller Fettabscheider dafür, dass Fett- und Ölreste sauber vom restlichen Abwasser getrennt werden, und dank einem Rückhaltebecken mit 300 Kubikmeter Volumen gelangen bei Starkregen weniger Mikroverunreinigungen in die Kanalisation. Während der Grossteil des Energiebedarfs mit Erdwärme gedeckt wird, stammt das Holz der Fassaden aus dem Badener Ortsbürgerwald und wird in einer Aargauer Sägerei aufbereitet. Damit bringt das KSB seine regionale Verbundenheit zum Ausdruck.
«Das neue KSB wird eine einladende und genesungsfördernde Atmosphäre ausstrahlen», sagt VR-Präsident Daniel Heller. «Das Angebot wird nicht nur auf dem neusten medizinischen Stand sein, sondern dank den vielen Optimierungen auch deutlich höherwertig sein als in der ursprünglichen Variante vorgesehen. Wir freuen uns auf die Inbetriebnahme eines Spitals, das im Gesundheitswesen zweifellos neue Massstäbe setzen wird.»

Bild: Blick auf den KSB-Gesundheitscampus mit der Baustelle des Neubaus. Nach dessen Inbetriebnahme wird das alte Spitalgebäude (rechts) zurückgebaut. Foto: zVg
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