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Das neue Pfahlbauhaus in Seengen im winterlichen Schneekleid. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau

(pd) In den letzten Wochen haben Fachleute im Auftrag der Kantonsarchäologie in Handarbeit ein neues Pfahlbauhaus am Hallwilersee in Seengen erstellt. Die originalgetreue Rekonstruktion verweist auf eine von zwei UNESCO-Welterbestätten im Aargau.

Die Arbeiten am neuen Pfahlbauhaus schritten in den letzten Wochen weit voran. In Handarbeit nach Zimmermannsmanier hat ein Team von zwei bis drei Personen im Auftrag der Kantonsarchäologie den Rohbau erstellt und kürzlich das Dach mit Schindeln gedeckt.

Das Pfahlbauhaus wird in Zimmermannsmanier errichtet. Die Schindeln werden von Hand zugerichtet. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton AargauOriginalgetreues Haus aus der Bronzezeit
An der Stelle des Pfahlbauhauses, unweit des Männerbads am Seeweg in Seengen, stand bis im Herbst 2020 ein Pfahlbauhaus aus dem Jahre 1988. Dieses ist im Laufe der Jahre über einen Meter in den Boden eingesunken. Mehrmals stand das Pfahlbauhaus im Hochwasser. Die Bausubstanz war soweit angegriffen, dass das Haus nicht mehr zu retten war. Deshalb beschloss die Kantonsarchäologie, in Kooperation mit der Gemeinde Seengen, dem Museum Burghalde Lenzburg und den Rotary-Clubs Lenzburg und Lenzburg-Seetal, an derselben Stelle einen Ersatzbau zu errichten. Das Projekt wird unterstützt durch Swisslos Kanton Aargau und das Bundesamt für Kultur.

Der Vorgängerbau im Herbst 2019. Über einen Meter eingesunken, lässt es sich nicht mehr reparieren. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton AargauDas neue Pfahlbauhaus orientiert sich an den archäologischen Funden der Pfahlbaufundstelle auf der Halbinsel Riesi, die in Sichtweite in den Hallwilersee hineinragt. Im Jahr 1923 hat die Historische Vereinigung Seengen unter Reinhold Bosch einen kleinen Ausschnitt der Fundstelle untersucht und brachte hervorragend erhaltene Holzkonstruktionen von Pfahlbauten zutage. In der Schichtabfolge liessen sich drei Siedlungsphasen feststellen. Diese stammen aus der späten Bronzezeit und datieren in die Zeit von 1050 bis 850 vor Christus.
Das neue Pfahlbauhaus hat demnach ein bronzezeitliches Aussehen, im Gegensatz zum alten Pfahlbauhaus, das sich an jungsteinzeitlichen Vorbildern orientierte. Augenfälligster Unterschied ist das Dach, welches jetzt mit Holzschindeln gedeckt ist. Das Haus ist zudem leicht vom Boden abgehoben und besitzt einen Unterbau in Blockbauweise. Dies entspricht den archäologischen Funden und schützt das Haus auch bei Hochwasser. Sobald es die Temperaturen zulassen, erhält das Haus Flechtwände, die mit Lehm verstrichen werden.

Die Ausgrabungen 1923 auf der Halbinsel Riesi brachten hervorragend erhaltene Holzkonstruktionen zum Vorschein. Foto: Historische Vereinigung Seengen.Unsichtbares Welterbe sichtbar gemacht
Das neue Pfahlbauhaus steht sinnbildlich für die Pfahlbaufundstelle Seengen-Riesi, die zusammen mit der Pfahlbaufundstelle Beinwil-Ägelmoos zum seriellen UNESCO-Welterbe "Pfahlbauten rund um die Alpen" gehört. Es handelt sich dabei um die einzigen UNESCO-Welterbestätten im Kanton Aargau. Die beiden Pfahlbaufundstellen sind ein weltweit bedeutendes Erbe der Menschheit und gehören der Allgemeinheit – das heisst uns allen. Doch beide Welterbestätten sind nicht sichtbar, da sie unter Wasser oder im Boden verborgen liegen. Das neue Pfahlbauhaus wird auf dieses wertvolle Erbe hinweisen. Der Neubau des Pfahlbauhauses fällt 2021 mit dem 10-jährigen Jubiläum des UNESCO-Welterbes Pfahlbauten zusammen. Weitere digitale Vermittlungselemente werden derzeit erarbeitet. Voraussichtlich im Sommer soll das Pfahlbauhaus eingeweiht werden.

Unsere Bilder
Erstes Bild: Das neue Pfahlbauhaus in Seengen im winterlichen Schneekleid. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau
Zweites Bild: Das Pfahlbauhaus wird in Zimmermannsmanier errichtet. Die Schindeln werden von Hand zugerichtet. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau
Drittes Bild: Der Vorgängerbau im Herbst 2019. Über einen Meter eingesunken, lässt es sich nicht mehr reparieren. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau
Viertes bild: Die Ausgrabungen 1923 auf der Halbinsel Riesi brachten hervorragend erhaltene Holzkonstruktionen zum Vorschein. Foto: Historische Vereinigung Seengen.
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