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(pd) Die erste Phase der Pandemie, die unseren Alltag in den letzten Monaten geprägt hat, ist vorüber. Langsam kehrt in der Schweiz wieder ein Stück Normalität zurück, auch wenn das Virus nicht verschwunden ist. Dass die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern bis jetzt einigermassen glimpflich davongekommen ist, liegt nicht zuletzt an unserem leistungsfähigen Gesundheitssystem mit einer gut ausgebauten hochspezialisierten Versorgung.

Die Universitätsspitäler der Schweiz spielen darin eine zentrale Rolle. Die Direktoren der fünf Universitätsspitäler zogen an der heutigen Medienkonferenz im Inselspital in Bern eine erste Bilanz zur COVID-19 Pandemie und der besonderen Bedeutung der Universitätsspitäler für die Schweiz.

Die Corona-Pandemie ist eine der grössten Herausforderungen für das Schweizer Gesundheitssystems seit Jahrzehnten und hat die zentrale Bedeutung der Universitätsspitäler eindrücklich belegt. Insbesondere im Bereich der intensivpflegebedürftigen Patientinnen und Patienten wäre die Corona-Pandemie ohne die Universitätsspitäler mit ihrem Know-how, ihren spezifischen Kompetenzen, ihren Ressourcen und Infrastrukturen nicht zu bewältigen gewesen.

Die Spitaldirektoren der fünf Universitätsspitäler beleuchteten die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre Spitäler und ihre jeweilige Region. Die Erläuterungen zeigten, dass sie mit zum Teil unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert waren. Besonders beeindruckt waren die Spitaldirektoren von der hohen Einsatzbereitschaft und der Motivation der Mitarbeitenden und der Medizinstudierenden unter diesen besonderen und zum Teil auch belastenden Umständen.

Allen Universitätsspitälern gemeinsam ist, dass diese dank ihrer effektiven Organisation und ihrem spezifischen Know-how, insbesondere bei der Behandlung von Schwerkranken sowie in der Diagnostik und der Abdeckung des gesamten Therapieangebots, in der Lage waren, rasch und adäquat die notwendigen Vorkehrungen zu treffen und die benötigten Kapazitäten rechtzeitig der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. So wurden innert kurzer Zeit die bestehenden intensivmedizinischen Kapazitäten von 240 auf 395 Betten (+67%) ausgebaut. Maximal wären gar 549 intensivmedizinische Betten (+137%) möglich gewesen. Die Plätze für die Behandlung schwerstkranker Covid-19 Patienten hätten bereits in der 5. Woche nach Beginn der Pandemie nicht ausgereicht, wenn bei den Unispitälern nicht sofort reagiert und Kapazitäten aufgebaut worden wären.
 
Die Pandemie hat auch betriebswirtschaftlich tiefe Spuren hinterlassen. Die Kosten der Universitätsspitäler sind im Bereich der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bereits heute nicht gedeckt. Die Corona-Krise brachte nun eine zusätzliche enorme Belastung. So betrug der Ertragsausfall aller fünf Universitätsspitäler von März bis Juni 2020 (netto) CHF 290 Mio., dazu kamen COVID-spezifische Mehrkosten seit dem Start der Vorbereitung bis Juni 2020 von CHF 66 Mio. Die erste Phase der Pandemie «kostete» die fünf Universitätsspitäler zusammen rund CHF 356 Mio.

Die Pandemie hat zudem eine zentrale Herausforderung der Universitätsspitäler zusätzlich akzentuiert: Die Vorhalteleistungen (Verfügbarkeit des Fachpersonals) sowie die spezifische Infrastruktur, die sie für die Notfall- und spezialisierte Gesundheitsversorgung jederzeit bereithalten müssen. So waren bspw. die gut ausgebauten Intensiv- und Intermediate Care-Einheiten und das gut ausgebildete ärztliche und Pflege-Personal in allen notwendigen Fachdisziplinen, welches 24 Stunden, sieben Tage in der Woche zur Verfügung stehen kann, Voraussetzung für die effektive Bewältigung der Corona-Pandemie.

 

 

In der Erforschung und Behandlung vieler Krankheitsbilder werden beachtliche Fortschritte erzielt, das medizinische Wissen wächst immer schneller und Pandemien werden uns auch in Zukunft beschäftigen. Damit diese Fortschritte rasch bei den Patienten ankommen und künftige Pandemien bewältigt werden können, braucht es die Universitätsspitäler. Diese sind in der Lage entsprechende klinische Studien im grossen Stil durchzuführen und translationale Forschung zu betreiben. Dies benötigt kontinuierliche Investitionen in Forschung, Wissen, Infrastruktur und Ausbildung.

 

 

Einer der Kostentreiber, das hat auch die Pandemie deutlich gezeigt, sind besonders schwer betroffene Patienten. Diese machen nur einen kleinen Anteil der Fälle aus, sind aber unter anderem für die hohe Belastung der Universitätsspitäler verantwortlich. Dieser Aspekt wird in der aktuellen Vergütung viel zu gering gewichtet. Damit auch in Zukunft die Infrastruktur und der klinische Standard gewährleisten bleibt, der zur Bewältigung von Hochrisiko-Situationen wie einer Pandemie und der Behandlung von besonders schwer betroffenen Patientinnen und Patienten unabdingbar ist, braucht es in den Finanzierungssystemen auch weiterhin eine separate Betrachtung der Universitätsspitäler und eine differenzierte Abgeltung im SwissDRG.

 

 

Die Universitätsspitäler sind Garanten für die qualitativ hochwertige Versorgung auch in Krisensituationen und den hochentwickelten Gesundheitsstandort Schweiz. Ihre Leistungsfähigkeit und ihre Dienste zugunsten der Patientinnen und Patienten dürfen nicht gefährdet werden.

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